Spahn-Zahlen
Für den Gesundheitsminister, der eigentlich die Zahlen kennen müsste, gleich doppelt peinlich. Auch in der Bundespressekonferenz äußerte sich Spahn höchst missverständlich: „1129 Todesfälle sind allein an diesem Morgen zu beklagen“, sagte er zu Beginn seines Auftrittes dort heute. Kann man das noch als schlampige Formulierung abtun? Oder ist es schon eine Neigung, Zahlen zu dramatisieren? Oder ist der gelernte Bankkaufmann Spahn angesichts des Zahlen-Wirrwarrs etwa gar genauso verwirrt wie die Normalsterblichen? Sei’s drum: Als Verantwortlicher darf er sich solche Patzer nicht leisten. Die erschreckende Zahl ohne Hinweis auf die besonderen Umstände der Feiertage und verzögerten Meldungen zu nennen, ist unverantwortlich.
Da ist es auch kein mildernder Umstand, dass reihenweise große Medien den gleichen Unsinn verbreiteten oder sich zumindest sehr missverständlich ausdrückten und damit den Menschen genauso Angst machten:
Das spricht Bände über den Zustand der selbst ernannten „Qualitätsmedien“. Erstaunlich, dass „umgekehrt“ niemand der gleiche Fehler passiert ist: Die „nur“ 240 Covid-Toten an Weihnachten führten zu keinen (ebenfalls falschen) Schlagzeilen nach dem Motto „Erfreuliche Entwicklung“. Man hat den Eindruck, die Fehlinterpretationen und Missgeschicke – vor denen niemand sicher ist, auch ich nicht – gehen bei vielen Medien fast nur in eine Richtung: die, die dramatisiert und Angst schürt.
Der Spiegel hat den Fehler inzwischen erkannt und auch berichtigt. Paradox am Rande: Ausgerechnet die Satire-Seite Postillion hatte das Hamburger Magazin auf seinen Ausrutscher aufmerksam gemacht. Was könnte das selbstverschuldete Elend der „Qualitätsmedien“ am Steuerzahler-Tropf drastischer symbolisieren?
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