Dienstag, 9. Februar 2021

09.02.2021 - Kommunikation

 Merkel kann nicht kommunizieren

Um sicher durch Krisen zu navigieren, braucht es Kompetenz und Kommunikation. Man muss wissen, was zu tun ist, und wissen, was man sagen muss. Laut einer aktuellen Umfrage hält eine Mehrheit der Deutschen die Politiker für überfordert. Die Unzufriedenheit mit dem Corona-Management wächst. Die Bundeskanzlerin kennt solche Erhebungen, darum tut sie, was ihr schwerfällt: Sie kommuniziert. Innerhalb weniger Tage hat sie sich gleich mehrfach Journalisten und Bürgern erklärt. Haften blieb der Eindruck, dass Angela Merkel keine Worte dafür findet, Kritik anzunehmen und Zweifel zu zerstreuen. Die Kanzlerin hält Monologe im Gewand des Gesprächs.

Das treffende Wort als zufällige Zutat

Die Liebe Merkels zur deutschen Sprache war nie besonders ausgeprägt. Für die Regierungschefin ist das treffende Wort eine bestenfalls zufällige Zutat. Wenn aber ein Land ächzt unter einem Lockdown von unabsehbarer Länge und unkalkulierbaren ökonomischen, kulturellen, psychologischen Folgen, wird sprachliche Wurstigkeit zum ernsten Problem. Falsche Sätze treiben die Entfremdung von Politik und Bevölkerung voran. «Im Grossen und Ganzen ist nichts schiefgelaufen», dieser Satz wird bleiben von Merkels Kanzlerschaft, ebenso wie jener von 2015, auf dem Höhepunkt der Migrationskrise: ihr «Wir schaffen das».

NZZ

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