Donnerstag, 15. April 2021

15.04.2021 - Widerwillen

Jürgen Habermas zufolge leben wir in einem nachmetaphysischen Zeitalter. Alles, was behauptet wird, muss durch das Nadelöhr rationaler Überprüfung hindurch. Nach Habermas lässt uns aber gleichwohl die Frage nach dem Glauben, der nicht ohne Rest durch das Wissen geteilt werden kann, kaum los. Nicht nur verschwindet also die Religion in der Moderne nicht, sie kann auch nur zu hohen gedanklichen Kosten als „Aberglaube“ beschrieben werden. Es steckt sogar mehr in ihr als Daumendrücken. Wenn darum „Wissen“ bedeuten soll: Wissen über natürliche Sachverhalte, und wenn „natürlich“ heißen soll: empirisch ermittelbar, dann liegt das Problem auf der Hand. Wir leben in einem nachmetaphysischen Zeitalter, das metaphysische Fragen nicht loswird. Metaphysik meint dabei seit 2500 Jahren den Versuch, Begriffe für das zu finden, was mehr ist als das Vorfindliche. Man kann aus Widerwillen gegen Spekulation darauf verzichten, doch dadurch sind die metaphysischen Fragen weder beantwortet noch abgetan. Eine ganz bescheidene solcher Fragen lautet, woher denn die Empiriker und die Metaphysiker ihre Begriffe nehmen: beispielsweise die Begriffe „Empirie“ und „das Vorfindliche“. FAZ

 

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