Ich bin kein Reichsbürger – im Gegenteil, ich halte die Gründung des Deutschen Reichs mit militärischer Gewalt unter Preußens Knute für eine Katastrophe der deutschen Geschichte. Es ist viel schlimmer: Ich bin ein offener Anhänger der Bonner Republik! Damit, ich weiß, bin ich natürlich gefährlich vorgestrig und gesellschaftlich kaum noch vermittelbar.
Nun ist es keineswegs so, dass ich die alten Kanzler Konrad oder Helmut (Schmidt) wiederhaben wollte. Es geht mir lediglich um das, was man früher einmal freiheitlich-demokratische-Grundordnung genannt hat. Von ihr ist nicht mehr viel übrig.
Wäre ich nicht schon länger hier, dürfte mich heute keine Ausländerbehörde mehr einbürgern, denn ich lehne den herrschenden Geist der Berliner Republik ab. Er ist einer Ideologie verhaftet und nicht mehr der Vernunft. Scharf, aber keineswegs überspitzt formuliert: Ich fühle mich ausgebürgert.
Natürlich irritiert mich das. Denn jahrzehntelang hatte ich mich für einen Verfassungspatrioten gehalten. Sie sollten, wenn ich mir diese Anregung erlauben darf, Verfassungspatrioten grundsätzlich in die Liste der Verdachtsfälle aufnehmen. Sie bestehen unangemessen auf ihren Rechten und halten Freiheit nicht für eine Gnade.
Sie glauben, der Staat habe der Entfaltung des Individuums zu dienen, es zu schützen und zu fördern, nicht umgekehrt. Insofern ist ja eher Frau Merkel der klassische Fall einer preußisch-protestantischen Reichsbürgerin – aber lassen wird das. ...
Herles
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen