Keine Schund im Ländle dank L. Späth
Wie die mehrheitlich negativen Reaktionen zeigen, kann die Inszenierung von Brugg nicht als Ausdruck eines vorherrschenden Zeitgeistes verstanden werden. Sie ist aber auch kein Einzelfall. Kurz vor und nach dem Feuerabend von Brugg finden in Deutschland ähnliche Aktionen statt: In Bietigheim organisiert ein von Lothar Späth, dem CDU-Politiker und späteren Regierungschef Baden-Württembergs, präsidierter Stadtjugendring eine Umtauschaktion namens «Schundliteratur gegen gute Bücher», die mit der öffentlichen Verbrennung Tausender Schriften endet. Und in Düsseldorf verbrennt die evangelische Jugendgruppe «Entschiedene Christen» Groschenromane, Sexmagazine und «Bravo»-Hefte, aber auch Bücher von Autoren wie Camus, Grass und Kästner. Wichtiger für die Schweiz ist jedoch eine im Februar 1965 in Romanshorn durchgeführte Aktion. Dort will ein junger Primarlehrer sein Dorf von Schundheftli säubern, gründet einen Verein gegen Schmutz und Schund – und lässt die in einem Umzug eingesammelten Schriften auf der Schlosswiese anzünden. Die Idee, bis zum kommenden 1. August in der Schweiz hundert Schulen zu gleichen Aktionen anzustiften, hat hier ihren Ausgangspunkt: «Nicht nur ein sauberes Romanshorn, sondern eine saubere Schweiz soll es geben!» ...NZZ
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