Dienstag, 10. August 2021

09.08.2021 - Karl Heinz Bohrer

Engagement als Verrat

„… Zwar hat Karl Heinz Bohrer seinem grollenden politischen Temperament nie entsagt, aber das Projekt, die Kunst für eine Revolutionierung des gesellschaftlichen Lebens in Dienst zu nehmen, erschien ihm als Verrat an der Radikalität der schockierend-augenöffnenden ästhetischen Erfahrung.

 Das hereinbrechend Explosive und Plötzliche dieser Erfahrung mochte in der künstlerischen Fantasie eine Ähnlichkeit mit den seltenen, von Benjamin beschworenen revolutionären Zäsuren der Geschichte haben; aber die Kunst würde den Panzer der Normalität, das Gewöhnliche und die Kontinuität der klebrigen Alltäglichkeit nur durchschlagen können, solange sie das Außeralltägliche, das schlechthin Andere des Lebens blieb.

 Andererseits musste dieses Moment der Unversöhnlichkeit von Kunst und Leben selber gelebt werden. Gegenüber den platonischen Anbetern der reinen Form blieb Bohrer ein Existenzialist. In den Texten von Friedrich Schlegel hat er dann nach der Radikalität dieser gelebten Unvereinbarkeit von Kunst und Leben gefahndet; auch deshalb ist für ihn die frühe Romantik immer ein wesentlicher Teil der Aufklärung geblieben. ...“ FAZ

 


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