Die Grünen argumentieren heute wie einst die SED
Am Jahrestag des Mauerbaus twittert Grünen-Kandidatin Annalena Baerbock, die Mauer sei „der in Beton gegossene Kalte Krieg“ gewesen. Solche Töne hätten sie in der mündlichen Prüfung das Vordiplom kosten können: Denn genau so hat auch die SED immer argumentiert.
Niemals hat Annalena Baerbock behauptet, Geschichte studiert zu haben. Allerdings gehört zum Fach Politikwissenschaft auch an der Universität Hamburg ein gerüttelt Maß Zeithistorie. Als das Thema im dortigen Grundstudium auf dem Stundenplan stand, muss die heutige grüne Kanzlerkandidatin wohl abwesend gewesen sein. Anders ist kaum zu erklären, was sie an diesem Freitag zum 60. Jahrestag des Mauerbaus twitterte: „Die innerdeutsche Grenze war der in Beton gegossene Kalte Krieg.“
Wäre sie für so eine Aussage in der mündlichen Prüfung durch das Vordiplom gefallen, sie hätte sich auch in der liberalen Hansestadt nicht beschweren dürfen.
Denn der Mauerbau war vor allem eines: ein Staatsverbrechen des Sozialismus. Weil die Menschen in der DDR in Scharen der SED-Diktatur davonliefen, weil es eine „Abstimmung mit den Füßen“ (so unter anderem Willy Brandt) gegen das „Arbeiter-Bauern-Paradies“ à la Ulbricht-Honecker gab, wurde das „Schlupfloch West-Berlin“ ab dem 13. August 1961 mit einer zunehmend tödlichen Grenze umgeben – für lange 28 Jahre ...
Eine seiner stärksten Reden hielt Willy Brandt genau einen Tag bevor die DDR mit dem Bau der Mauer begann. Am 12. August 1961 erklärte Brandt, damals der Regierende Bürgermeister Berlins, beim Deutschlandtreffen der SPD, die «Menschen in der Zone» fürchteten, «in einem gigantischen Gefängnis eingeschlossen zu werden».
Sie hätten «die brennende Sorge, sie könnten vergessen werden, abgeschrieben werden, geopfert werden auf dem Altar der Gleichgültigkeit und verpasster Chance». Wenn sechzig Jahre später die vereinigte Berliner Republik sich an den Mauerbau erinnert, herrscht rhetorisch das kleine Karo. Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit umkreisten die Spitzenpolitiker das ebenso wichtige wie schwierige Thema – und die Kanzlerin liess sich nicht blicken. ... WELT
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