Freitag, 24. September 2021

23.09.2021 - Jude sein

 Jude sein oder nicht

Viele Deutsche – nicht nur Intellektuelle – nutzen das Jüdische, um sich Gehör zu verschaffen. Wer sich auf Demonstrationen der Impfgegner Judensterne anheftet, der ist geschmacklos, im Grunde aber denkt er ähnlich wie Czollek: Er spielt den Juden, weil er auffallen will. Er macht sich jüdisch, um mit seiner Meinung auf der Seite der Opfer zu stehen.
Das Phänomen des „Viktimismus“
 
Hinzu kommt – und hier liegt ein Unterschied zu Czollek –, dass er sich mit der Annahme der Opferrolle zu entlasten sucht und damit zugleich den Holocaust verharmlost. Wer die Gegenwart mit den Jahren gleichsetzt, in denen die Hakenkreuzspinne auf Europa saß, die Hekatomben von Toten produzierte, der kommt wenigstens im Unbewussten zu dem Schluss: So schlimm war es damals wohl doch nicht.
 
Diejenigen, welche Attacken gegen Klimaforscher in einem Atemzug mit dem Schicksal der Juden nennen, wie es die linke Publizistin Carolin Emcke tut – Max Czollek unterstützt sie darin –, diejenigen, welche die Palästinenser zu den Juden von heute erklären, sie wünschen sich, von der Last des Holocaust befreit zu sein.
 
Pascal Bruckner nennt dieses Phänomen „Viktimismus“. Der französische Philosoph geht sogar so weit, ihn als eine neue Form des Antisemitismus zu beschreiben. Dieser äußere sich als Neid auf den Juden als Ausbund des Unglücks von Auschwitz: „Sich als Opfer darstellen können, das heißt, sich die Not unter den Nagel zu reißen, sich zu deren einzigem rechtmäßigem Eigentümer zu erklären.“
 
Ob das Antisemitismus ist, sei dahingestellt. Czollek jedenfalls maßt sich eine Rolle an, die verlogen ist. Will er Jude sein, soll er konvertieren.
Im Hauptgebet der Juden, in den 18Lobpreisungen, werden die Gerim (Konvertiten) auf dasselbe Niveau wie die Gerechten Israels gehoben. Das wäre doch was für Max Czollek – oder? 
WELT

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