Die Überzeugungstäter waren viel schlimmer
Der Chef DDR-Geschädigten-Vereinigung kritisiert, dass zu wenig für die Erforschung der Stasi-Aktivitäten von Kommunisten im Westen getan wird. Das stimmt, besonders in Bezug auf die Linkspartei. Eine kritische Aufarbeitung ist überfällig, doch der Zeitgeist steht dem entgegen. … WELT
West-Sozis und -Linke und ihre Stasi-Kontakte
... Gerade die bundesdeutsche Linke hat ihre Verstrickung mit dem Unrechtsstaat DDR nur soweit und meist unwillig aufgearbeitet, wie es aufgrund aktueller Enthüllungen von Medien oder zum Beispiel des Forschungsverbundes SED-Staat an der Freien Universität Berlin unvermeidlich war.
Selbst ein späterer langjähriger Spitzenbeamter des Stasiunterlagen-Archivs machte in seiner Studentenzeit in Hamburg „faktisch DDR-Politik“. Auch viele andere Kontakte bundesdeutscher Sozialisten und Kommunisten, die später oft zu den Grünen gingen, bedürfen noch der Aufklärung.
Richtig liegt Dombrowski auch damit, dass die Menschen in der DDR „in der Abhängigkeit eines autoritären Regimes“ leben mussten. Falsch aber ist, dass die Stasi- und SED-Helfer im Westen „überwiegend für Geld“ der sozialistischen Diktatur zuarbeiteten.
Das stimmte zwar für prominente Fälle wie für Karl-Heinz Kurras, jenen West-Berliner Polizisten, der am 2. Juni 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschoss und seit 1955 für die Stasi gespitzelt hatte. Die weitaus meisten DDR-Aktivisten in der alten Bundesrepublik aber waren Überzeugungstäter. Und das ist noch viel schlimmer. Hier tut Aufarbeitung Not. Sie entspricht allerdings nicht dem Zeitgeist.
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